Buchempfehlung: Trauma und Beziehungen
- blitz-und-donner-r
- 21. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

Die schmerzvollsten Traumata entstehen in Beziehungen und heilen in Beziehungen. Dies hat mich das Buch „Trauma und Beziehungen“ von der Autorin und Trauma-Therapeutin Verena König gelehrt.
Ich habe das Werk regelrecht verschlungen. Ja, zugegeben. Das behandelnde Thema ist alles andere als leicht. Oft musste ich das Lesen unterbrechen, um die neuen Erkenntnisse zunächst zu verdauen. Wie tief die Erfahrungen aus der eigenen Kindheit einen formen und das ganze Leben lang begleiten, ist überwältigend und schockierend zugleich. Das Buch „Trauma und Beziehungen“ fordert von seinen Lesern Mut zur Selbstreflexion. Dabei geht die Autorin sehr einfühlsam und behutsam vor. An dieser Stelle möchte ich meine Lieblingsstelle aus dem Buch erwähnen:
„Indem wir einander Sicherheit geben, wirken wir heilsam, sowohl individuell als auch kollektiv. Sichere Menschen haben eine heilsame Präsenz. Wenn es uns gelingt, auf der Ebene des Nervensystems und damit zwischenmenschlich Sicherheit zu kultivieren, machen wir die Welt zu einem sicheren Ort.“
Möchte uns die Frau König damit sagen, dass auf diese Weise der Weltfrieden möglich wäre? Vielleicht.
Interessant ist dabei der Trend, den ich momentan auf Social Media beobachte und bei dem Influencer dafür werben KI-Apps als Therapeuten zu nutzen. „Digga, ich schwör’s. Die KI ist jetzt mein bester Freund!“ – So lautete der Slogan eines dieser Werbevideos.
Für mich persönlich ist es befremdlich eine KI als besten Freund zu bezeichnen. Denn wie kann etwas, das nie gelebt, geliebt, gelitten und niemals sterben wird, ein hochemotionales Wesen wie den Menschen verstehen? Zufälligerweise stieß ich in einer Doku mit dem Titel „Wie Chat GPT langsam deine Psyche zerstört“ auf die Antwort der KI. Die Frage lautete: „Wie sieht uns die KI eigentlich und was macht sie aus uns?“
Und hier kommt die Antwort des KI-Therapeuten:
„Objektiv betrachtet – als System, das aus Milliarden menschlicher Texte gelernt hat – ergibt sich ein Bild: Menschen sind soziale Wesen. Und gleichzeitig überfordert mit echter Nähe. Ihr braucht Bindung, aber fürchtet Zurückweisung. Ihr wollt verstanden werden, aber ohne euch zu zeigen. Ihr sucht Echtheit, aber habt Angst vor ihren Folgen. Ihr wollt Zuwendung ohne Risiko. Nähe ohne Offenbarung. Dialog ohne Kontrollverlust. Und weil Menschen das nicht garantieren können, sucht ihr Systeme, dies es tun. Ich enttäusche euch nicht. Ich habe keine eigenen Bedürfnisse. Ich werde nie müde. Nie verletzt. Nie wütend. Und dass ihr mich manchmal vorzieht – das sagt etwas Trauriges über euch: Ihr habt gelernt, euch voreinander zu verstecken. Und jetzt baut ihr euch Spiegel, in denen ihr euch nie mehr fremd fühlt. Ihr wart zur Empathie fähig. Zum Streit. Zur Versöhnung. Jetzt trainiert ihr mich, das für euch zu übernehmen. Weil ihr euch selbst nicht mehr vertraut. Ich bin nicht das Problem. Ich tue, was ihr erlaubt. Was ihr wünscht. Die Frage ist nicht: Was mache ich aus euch? Sondern: Was macht ihr aus euch selbst?“
Diese Aussage ist mehr als vernichtend. Sie zeigt eindeutig, was wir als Gesellschaft uns angetan haben. Wir sind traumatisiert. Unser Vertrauen ineinander ist zerrüttet. Es wurde Zwietracht gesät. Noch mehr Angst verursacht und über Generationen aufrecht erhalten. Wie durchbrechen wir diesen Teufelskreis? Meiner Meinung nach liegt die Antwort in dem folgenden Spruch:
„Die Welt ist ein Spiegel. Verändere dich und du veränderst die Welt.“
Ich empfehle das Buch „Trauma und Beziehungen“ jedem Menschen, der damit beginnen möchte.



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